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Güstrow, Mühlenstraße 17

Aus Deckenmalerei-Lab
Dreyer, Angelika:Güstrow, Mühlenstraße 17, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/0f323a5e-0936-4b62-94a4-698aa933aadd

Inventarnummer: cbdd20146

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Die überregionale Bedeutung des Wohnhauses Mühlenstraße 17 liegt im Vorhandensein einer bemalten Holzbalkendecke mit Bildnismedaillons im rückwärtigen Kemladen aus der Zeit des frühen 17. Jahrhunderts, die ein seltenes Beispiel bürgerlicher Wohnkultur im norddeutschen Kulturraum darstellt.

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Lage, Bau- und Ausstattungsgeschichte

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Lage

„Die historische Mühlenstraße in Güstrow liegt in der nördlichen Altstadt. [...] Die Straße wurde benannt nach den früheren Wassermühlen, die in diesem Mühlenquartier standen. [...] Im Mühlenviertel ist diese Straße eine der ältesten in der Stadt. [...] An der Straße stehen überwiegend zwei- und dreigeschossige [...] Häuser.“[1] Das Wohnhaus Mühlenstraße 17 mit rückwärtigem Kemladen befindet sich auf der Nordseite des Straßenzuges.

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Wohnhaus mit Kemladen ist im Jahre 1607 errichtet worden, wie die Ziffern auf den schmiedeeisernen Mauerankern an der Straßenseite unterhalb des Geschoßgesimes anzeigen. In diesen erweiterten Zeitraum ist auch die historisch bedeutende bemalte Holzbalkendecke zu datieren,[2] die den Saal im rückwärtigen Kemladen zierte und deren Wände ebenfalls von heute nur noch rudimentär erhaltenen Fresken bemalen waren.

Der Auftraggeber: Dr. Joachim JungClaus (1568–1624), Advokat und Prokurator am Hofgericht

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Bauherr des Wohnhauses mit Kemladen und Auftraggeber der bemalten Holzbalkendecke war Dr. Joachim JungClaus (1568–1624), dessen Name aus alten Steuerbüchern ermittelt werden konnte.[3] „JungClaus war Doktor beider Rechte und am Fürstlich Mecklenburgischen Hofgericht als bestellter Advokat und Prokurator tätig. Im Jahre 1612 wird er vom Herzog Johann Albrecht II. als Kanzlei-, Hof- und Regierungsrat eingesetzt. Damit ist der Aufstieg in die Oberschicht gesichert.“[4]

Äußerer Ausdruck seiner sozial gehobenen Stellung ist bereits das 1607 errichtete stattliche Wohnhaus. Seine neu hinzu gewonnene Rangerhöhung drückte sich in dem wohl ab 1612 erteilten Auftrag zur Ausstattung eines Festsaales mit Wand- und Deckenmalerei aus, um auf diese Weise den repräsentativen Verpflichtungen der Güstrower Hofgesellschaft angemessen nachkommen zu können.

Der Kemladen

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Auf der Rückseite des zweigeschossigen und vierachsigen giebelständigen Wohnhauses aus Backsteinen, dessen Satteldach ein Ziergiebel mit Obelisken und Wetterfahne zuoberst verdeckt, befindet sich der zweigeschossige Kemladen. Der zum Hof traufständige Backsteinbau erstreckt sich in Süd-Nord-Richtung und ist mit einem Satteldach überformt.

Im Erdgeschoss befindet sich der längs gerichtete Festsaal, der von hochrechteckigen Fenstern belichtet wird.

„Das Beispiel der Mühlenstraße 17 mit der aufwändigen Decken- und Wandmalerei zeigt, dass der Kemladen keineswegs ein untergeordnetes Nebengebäude, sondern ein höchsten Ansprüchen gerecht werdendes eigentliches Wohnhaus war, während das Haupt- oder Vorderhaus dem Warenumschlag und der öffentlichen Darstellung des Eigentümers diente.“[5]

Der Festsaal im EG des Kemladen: Beschreibung und Maße

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Der knapp 8m (7,8m) lange, 5m breite und 3,7m hohe Festsaal ist von der Nordseite aus begehbar. Im ursprünglichen Zustand belichteten drei breite Rechteckfenster mit Korbbogen auf der Westseite den Raum, deren Formation in Breite und Höhe annährend den drei Wandnischen auf der Ostseite entsprach.[6]

Im Zustand der Erstausstattung waren die Wände mit figürlichen, Blumen- und Früchtemotiven bemalen, von denen sich heute nur noch wenige Reste erhalten haben.

Die gestalterische Steigerung und ikonographische Wertigkeit erfuhr der Saal im Deckenbereich, wo die bemalten Holzbalken und -bohlen dem Raum nicht nur seine farbliche Pracht gaben, sondern durch die Anordnung der Balken auch einen gleichmäßigen Rhythmus.

Die bemalte Holzdecke: Gesamtbild und Erhaltungszustand

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Im heutigen Raumbild ist die bemalte Holzdecke aus zehn Balken und neun Gefache dazwischen im regelmäßigen Ablauf zu sehen, deren Ausrichtung in Ost-West-Richtung erfolgt.[7]

Das auf den ersten Blick sehr vielteilige Erscheinungsbild der bemalten Decke folgt allerdings in ihrer künstlerischen Ausführung konzis durchdachten Überlegungen. Deren gestalterisches Grundprinzip besteht indes nicht auf der gleichmäßigen, rapportmäßigen Reihung und Wiederholung von Motiven, sondern bevorzugt die alternierende, sich abwechselnde Rhythmisierung, wodurch sich der anschauliche Charakter belebter Harmonie ergibt.

Diese rhythmisierte Vielfalt ist sowohl an der Gestaltung der Balken wie auch den Gefachebahnen sichtbar, deren darin enthaltenen Bildnisse auf eine Betrachtung von der Südseite ausgerichtet sind.[8]

Balken: Sichtseite mit Lorbeermuster mit roter Kordel umwunden

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Die vom Saal aus sichtbaren Unterseiten der Holzbalken sind alternierend gestaltet. In der vertikalen Abfolge des Raumes von Nord nach Süd ergibt sich ein Rhythmus, bei dem jeder zweite Balken mit einem anderen Muster bemalen ist. Die Sichtseite der Holzbalken wechseln sich einerseits durch ein stilisiertes Dekormotiv und andererseits durch die Darstellung einer Lorbeerstange, die von einer roten Kordel umwunden ist, ab.

Das Lorbeermotiv befindet sich, bei der Zählung von Norden beginnend, auf dem zweiten Balken und ist von da an auf jedem übernächsten Balken wieder zu sehen.

Sichtseite des Balkens mit Dekormuster

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Die vom Saal aus sichtbaren Unterseiten der Holzbalken sind alternierend gestaltet. In der vertikalen Abfolge des Raumes von Nord nach Süd ergibt sich ein Rhythmus, bei dem jeder Balken mit einem anderen Muster bemalen ist, die sich einerseits durch die Darstellung einer Lorbeerstange, die von einer roten Kordel umwunden ist, und einem stilisierten Dekormuster abwechseln.

Das Dekormuster befindet sich auf dem ersten Balken, von Norden gesehen, und setzt sich strukturell stringent auf dem jeweils übernächsten Balken fort.

Balken: Seitenflächen mit Früchtebündel und Breitband

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Jede Seitenfläche der Holzbalken mit Lorbeermusterung, ab dem zweiten Balken von Norden, ist mit der Motivkombination von Früchten mit Blattwerk und einem diese bündelnden breiten Band versehen.

Balken: Seitenfläche mit Dekormuster

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Die Seitenflächen des ersten Balkens auf der Nordseite sind mit einem stilisierten Dekor bemalen, das sich in gleicher Formbildung jeweils auf den übernächsten Balken wiederfindet.

Gefache: Ornamentmuster aus achteckigen Sternformen

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Auf der gesamten Deckenfläche sind heute insgesamt 25 achteckige Sterne zu sehen, wobei man, nimmt man das ursprünglich systematische Verteilungsmuster der Sterne als Maßstab, von einer Anzahl von 31 Sternen ausgehen muss.

Gefache: Ornamentmuster aus achteckigen Sternformen mit Blütenmuster

Eine der beiden Grundformen in den achteckigen Sternen ist die Darstellung einer frisch aufgeblühten Blume, deren sechs Blätter sich ganz entfaltet haben und somit den dekorativen Anblick vom Innenleben der Blume ermöglichen.

Diese florale Ornamentik ist im heutigen rekonstruierten Zustand mit insgesamt neun Bildfeldern mehr oder weniger gut sichtbar. Ihre erschließbare ursprüngliche Anzahl betrug insgesamt zwanzig.

Gefache: Ornamentmuster aus achteckigen Sternformen mit Früchtebündel, von Blattwerk umgeben

Eine weitere Variante ornamentaler Gestaltung ist ein mehrteiliges Früchtebündel, das von Blattwerk umgeben ist. Ursprünglich waren zehn gemalte Bildfelder vorhanden, von denen heute noch neun zu sehen sind.

Gefache: Einführung zu den Bildnismedaillons

Die insgesamt neun erhaltenen Gefache der bemalten Holzdecke wechseln sich in ihrer Erstreckung von Nord nach Süd in einem systematisch gleichmäßigen Rhythmus hinter einander ab. Das nördlichste Gefache besteht hierbei aus drei achteckigen Sternformen, deren Anordnung gleichmäßig mit den zwei runden Bildnismedaillons sich abwechselt.

Im nächstfolgenden Gefache kehrt sich die jeweilige Anzahl von Stern- und Rundform um, so dass dort die drei Medaillons von vier Sternen getrennt sind. Diese motivische und zählerische Vorgabe beider Gefache wiederholt sich im Folgenden auf der ganzen Deckenfläche von Nord nach Süd.

Wegen der stringenten Systematik der Bild- und Dekorverteilung sind in der ursprünglichen Anordnung insgesamt 22 Bildnisfelder anzunehmen, wovon heute noch neunzehn sichtbar sind.[9]

Nördliches Gefache, westliches Bildnismedaillon: Frau mit schwarzer Haube und roter Rose

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Das runde Medaillon zeigt eine Frau mittleren Alters in zeitgenössischer Kleidung, das in einem jackenförmigen Oberteil mit schwarzem Floralmuster, Halskrause und schwarzer Haube besteht.

Das Besondere an dieser Darstellung ist die leichte Ausrichtung ihres Körpers zu dem männlichen Gegenüber, mit dem sie direkten Blickkontakt aufnimmt und ihm zugleich mit ihrer rechten Hand einen kleinen Strauß roter Rosen dezent entgegenhält.

Nördliches Gefache, östliches Bildnismedaillon: Bärtiger Mann mit Trinkbecher

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In dem runden Medaillon ist das Halb-Körper-Bildnis eines bärtigen Mannes mit längerem Haar zu sehen, der ein schwarzes Obergewand mit goldenem Gürtel trägt und das ein weißes Tuch über den Schultern abschließt.

Seine ganze Körperhaltung und sein Blick sind ganz auf die Dame im benachbarten Bildnis ausgerichtet, so dass man vielleicht von dem Porträt des Besitzers und seiner Ehefrau ausgehen kann, die, übertragen auf die Funktion des Saales, an dieser Seite der Festtafel ihren Platz eingenommen haben könnten.[10]

In dieser festlichen Stimmung erhebt er den Trinkbecher und prostet ihr zu.

2. Gefache von Norden, westliches Bildnismedaillon: Höhergestellter Herr mit Halskrause

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In dem runden Medaillon ist das Bildnis eines Mannes in der Bekleidung einer hochgestellten Persönlichkeit der Zeit um und nach 1600 festgehalten. Über der modetypischen Halskrause ist sein Kopf sichtbar, der ohne Kopfbedeckung ist und auf freundliche Weise seinen Blick zur Mitte des Bildfeldes wendet. Dort ist eine Dame erkennbar, die seinen Blickkontakt nicht erwidert und bildlich und psychisch in sich zentriert ist.

2. Gefache von Norden, mittleres Bildnismedaillon: Versunkene Dame mit Blumenkleid und Vogel

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Das runde Medaillon zeigt die porträthafte Darstellung einer Dame, die ein Kleid mit Floralmuster und Halskrause trägt. Sowohl ihre Körper- wie ihre Kopfhaltung mit dem geflochtenen Haar veranschaulichen eine Konzentriertheit, die der verinnerlichte Blick zusätzlich betont.

In ihren Händen hält sie einen nicht näher bestimmbaren Vogel(?), der möglicherweise attributiv auf ein tugendhaftes Verhalten hinweisen könnte, denn mit ihrer gesamten inneren und äußeren Haltung geht sie überhaupt nicht auf die beiden männlichen Bild-Nachbarn ein, die auf sie ausgerichtet sind.

2. Gefache von Norden, östliches Bildnismedaillon: Herr mit Wams, Halskrause und roter Blume

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Der modisch gekleidete Herr im gepunkteten Wams und Halskrause blickt sehnsüchtig zu der in der Mitte dargestellten Dame, der er wohl zärtliche Avancen machen möchte, denn mit der roten Blume in seiner rechten Hand versucht er auf sich und sein emotionales Anliegen aufmerksam zu machen.

Aber sie würdigt ihn keines Blickes, genauso nicht wie dem zweiten Herren, und scheint den symbolischen Ausdruck von standhafter Tugendhaftigkeit nahezulegen.

3. Gefache von Norden, westliches Bildnismedaillon: Dame mit heller Gewandung und roter Blume

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In dem Rundmedaillon ist das materiell nicht besonders gut erhaltene Bildnis einer Dame mit heller Gewandung und Halskrause zu sehen, die mit ihrer rechten Hand eine rote Blume hochhält.

3. Gefache von Norden, östliches Bildnismedaillon: Herr mit Sträußchen aus roten Blumen

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Das Rundmedaillon zeigt einen selbstbewussten Herren, der selbstsicher seinen linken Arm in die Hüfte stemmt und in seiner rechten Hand ein kleines Sträußchen roter Blumen hält. Aufgrund seiner Kopfhaltung und Blickrichtung scheint die Adressatin dieser Aufmerksamkeit seine Nachbarin zu sein, die allerdings von seinem Anliegen keine Notiz nimmt oder nehmen will.

5. Gefache von Norden, westliches Bildnismedaillon: Höhergestellter Herr mit Stab und Degen

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In dem Rundmedaillon ist aufgrund des nicht optimalen Erhaltungszustandes ein Herr der höheren Gesellschaft mit modischem Wams, weiten weißen Puffärmeln und Halskrause zu sehen, der mit seiner linken Hand entschlossen seinen Degen umgreift und in seiner rechten Hand einen Stab hält, der auf seine Herrschaftsfunktion hinweist, die allerdings nicht näher bestimmbar ist.

5. Gefache von Norden, östliches Bildnismedaillon: Herr mit kariertem Wams und Halskrause

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Der im Rundmedaillon dargestellte Herr mit kariertem hellbraunen Wams, breitem Gürtel und Halskrause ist in seiner Körperhaltung auf sein bildliches Gegenüber ausgerichtet, wodurch sich kompositorisch eine gestalterische Einheit ergibt. Diese Intention wird durch ähnliche, fast synchrone Arm- und Handhaltungen verstärkt.

6. Gefache von Norden, westliches Bildnismedaillon: Frau mit braunem Oberkleid und Handspiegel

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Das materiell gesehen suboptimal erhaltene Rundmedaillon zeigt eine Frau im braunen Oberkleid und Halskrause.

Sie scheint sehr selbstbewusst auf den Betrachter zu blicken, wobei sie einen reich verzierten Handspiegel in ihrer rechten Hand hält.

Ob ihr Blick und das Attribut möglicherweise auf den Gewinn von Erkenntnis oder eher als Hinweis auf Eitelkeit und Vergänglichkeit zu deuten sind, ist aus dem Kontext nicht zu erschließen. Selbst die Interpretation des Gesichtssinnes im Kontext der 5-Sinne-Allegorie scheint möglich.

6. Gefache von Norden, mittleres Bildnismedaillon: Höhergestellter Herr mit Wams und Halskrause

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In dem Rundmedaillon ist ein Herr der höheren Gesellschaftsschicht wegen des schlechten Zustandes gerade noch erkennbar, der, gekleidet in Wams und Halskrause, aus dem Bild heraus direkt Blickkontakt mit dem Betrachter aufnimmt.

6. Gefache von Norden, östliches Bildnismedaillon: Musiker/Musikerin (?) mit Laute

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Das Rundmedaillon zeigt einen Musiker (Musikerin?), der/die, bekleidet mit Wams und Halskrause, eine Laute in der Hand hält und darauf spielt.

Das attributiv beigegebene Musikinstrument könnte in einfacher Lesart z.B. auf die während der Tafel aufspielenden Musiker und deren harmonisierende Wirkung hinweisen. In einem symbolischen Zusammenhang könnte man die Laute im Kontext der fünf Sinne auch als Ausdruck des Gehöres verstehen.

7. Gefache von Norden, westliches Bildnismedaillon: Höhergestellte Dame mit weißer Blume (?)

Wegen des schlechten Erhaltungszustandes ist in dem Rundmedaillon eine Dame der höheren Gesellschaft zu vermuten, die mit ihrer rechten Hand eine weiße Blume vorweist.

7. Gefache von Norden, östliches Bildnismedaillon: Herr mit Bart und Blume (?)

In dem Rundmedaillon ist ein nach links blickender Herr mit Bart zu sehen, der vielleicht eine Blume in seiner rechten Hand hält.

Gestalterischer und emotionaler Zielpunkt seines Blickes ist die Dame auf dem Nachbarbild, deren Beziehung zueinander nicht mehr genauer zu bestimmen ist.

8. Gefache von Norden, westliches Bildnismedaillon: Musiker mit barocker Busina

In dem Rundmedaillon ist die Darstellung eines langhaarigen Musikers erkennbar, der ein Blasinstrument, eine barocke Busina, spielt.

8. Gefache von Norden, mittleres Bildnismedaillon: Frau mit aufwändigem Oberkleid und Goldhaube

In dem Rundmedaillon ist eine zeitgenössisch gekleidete Frau mit aufwändig gearbeitetem Oberkleid zu sehen, das durch Goldbordüren von den gestreiften Ärmeln getrennt ist.

Ihren Kopf, der von der Halskrause umschlossen wird, bedeckt eine Goldhaube.

8. Gefache von Norden, östliches Bildnismedaillon: Musiker mit Geige

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Das Rundbild stellt einen Musiker dar, der auf seiner vor der Brust abgestützten Geige auf konzentrierte Weise spielt.

Südliches Gefache, westliches Bildnismedaillon: Höhergestellter Herr, rote Blume akzeptierend

In dem Rundmedaillon wird ein Herr in silbergrauer Kleidung gezeigt, der in höfisch dezenter Weise seinen Kopf zum Bildnis der benachbarten Dame wendet und scheinbar in einer nicht näher definierbaren Beziehung steht, denn sie reicht ihm eine rote Blume, was er mit Genugtuung nicht nur registriert, sondern auch akzeptiert.

Südliches Gefache, westliches Bildnismedaillon: Höhergestellte Dame mit Mantel, rote Blume reichend

Eine sozial hochgestellte Dame, was ihr Seidenkleid mit Mantel und Hauskrause kenntlich macht, schickt sich an, dem Herrn auf dem Nachbarbild in Gestalt einer roten Blume nicht nur ihre oberflächliche Aufmerksamkeit zu zeigen, sondern damit vielleicht sogar tiefere Gefühle ausdrücken zu wollen.

Programm und Synthese: 5-Sinne Allegorie und Heilsversprechen?

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Die konkrete Bestimmung der in den 19 Bildnismedaillons dargestellten Personen, die „in der spanischen Mode mit dem engen Stehkragen und großen Halskrausen, der engen Taille und den wattierten Wamsen wiedergegeben“[2] sind, ist im Detail noch zu leisten. Eine gesellschaftliche Differenzierung der Dargestellten mittels der beigegebenen Attribute, „Blumen, Handschuhe, Tücher, Spiegel, Musikinstrumente“[2], und soziale Einordnung als bürgerliche Familienbildnisse, die Bestandteil eines Stammbaumes sind, ist bereits erforscht.[11]

„Darüber hinaus ist die Deckenmalerei im Kemladen Mühlenstrasse 17 vielschichtig zu verstehen, denn entsprechend der Kunsttheorie und dem allgemeinen Verständnis des 16. und 17. Jahrhunderts ist aus den gewöhnlichen Dingen ein tieferer Sinn herauszulesen.“[12]

Wie Gnekow überzeugend analysierte und darlegte, lassen sich drei Themenkreise ausmachen, die „nicht als alternative Deutungen zu verstehen [sind], sondern als mehrstufiger Aufbau der Bildinhalte.“[12] Ausgangspunkt dieses Stufenmodells ist das „Thema der fünf Sinne [...][...], das im Zuge der Glaubensauseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts aus unterschiedlichen Motiven weite Verbreitung [fand].“[13]

Eine zweite und dritte Sinn-Ebene eröffnet sich über die Deutung der Alltagsgegenstände, die den Betrachter einerseits zu einer tugendhaften Lebensführung gemahnen sollen und die andererseits „letztlich die Aufnahme in das neue Paradies, d.h. das Reich Gottes, Christi und aller Heiligen, den Aufenthaltsort der Gerechten nach dem Tode“[14] in Aussicht stellt.

Renovierung der bemalten Holzbalkendecke

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Während der Sanierungs- und Renovierungsarbeiten am Objekt Mühlenstraße 17 entdeckte man am 10. August 2004 im Erdgeschoss des Kemladens eine bemalte Holzbalkendecke aus der Frühzeit des 17. Jahrhunderts.[15] Nachdem man sofort den künstlerischen Wert und kunsthistorische Bedeutung der Balkendecke erkannt hatte, beauftragte man das Restauratorenteam fred kluth & jörg schröder mit der Befunduntersuchung, dem Erfassen des Vorzustandes und der Restaurierung der Decke, eine Aufgabe, die fast ein ganzes Jahr, ab Oktober 2004 bis September 2005, in Anspruch nahm.[16]

Nordwestliche Wandmalerei einer Nischenfigur: Prophet mit Heiligenschein und Fruchtschale

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In dem Wandabschnitt zwischen dem ersten und zweiten Fenster von Nordwesten sieht man die Darstellung eines alttestamentarischen Propheten, der in einen weiten Mantel eingehüllt ist „und mit Heiligenschein, der mit der rechten Hand eine Fruchtschale hält.“[17] Er wird in Gestalt einer Nischenfigur präsentiert, deren inhaltlich hervorgehobene Bedeutung sich motivisch durch die ihn umschließende Arkade ausdrückt.

Nordwestliche Wandmalerei: Bemalte Fensterlaibung mit floralen Mustern

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In der Laibung und dem Bogenbereich des nordwestlichen Fensters befinden sich noch malerische Reste der einstigen Bemalung. Die florale Musterung wird durch eine Bänderung an der Fensterkante als in sich geschlossener Flächenbereich definiert, der auf diese Weise gleichzeitig von der anschließenden Wand separiert bleibt, die ehemals bemalen war.

Nordwestliche Wandmalerei: Fruchtgirlande

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Direkt unterhalb des zweiten nordwestlichen Gefaches ist das Fragment der ehemaligen Wandbemalung erkennbar. Ersichtlich ist eine bandförmige Bordüre, die den Abstand zur Holzdecke herstellt und woran eine Fruchtgirlande aufgehängt ist.

Nordöstliche Wandmalerei: Mit feingliedrigen Blumen an Ästchen bemalter Nischenbogen

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An der Unterseite des Korbbogens der nordöstlichen Wandnische hat sich die ehemalige Bemalung erhalten, die aus der feingliedrigen Anordnung von Blumen besteht, die von dünnen Ästchen abzweigen.

Bibliographie

  • Ortwein, August / Scheffers, August (Hrsg.): Deutsche Renaissance. Eine Sammlung von Gegenständen der Architektur, Dekoration und Kunstgewerbe in Original-Aufnahmen, Bd. 8: Die Renaissance in Mecklenburg, Leipzig 1888, Blatt 37
  • Gnekow, Denkmalpflege, 2006 — Gnekow, Bettina: Berichte aus der Praktischen Denkmalpflege, in: KulturErbe in Mecklenburg und Vorpommern Band 1, Jahrgang 2004/2005, Schwerin, 2006, S. 67.
  • Gnekow, Deckenmalerei, 2006 — Gnekow, Bettina: Deckenmalerei Mühlenstr. 17, in: Güstrow. Jahrbuch 2006, Greifswald 2006, S. 55–58
  • Gnekow, Paradies, 2007 — Gnekow, Bettina: Das Paradies im Festsaal. Neue Funde zur Renaissancekunst in Güstrow, in: KulturERBE in Mecklenburg und Vorpommern, Band 2, Jahrgang 2006, Schwerin 2007, S. 55–78
  • Kluth/Schröder, Renaissance-Decke, 2005 — Kluth, Fred/Schröder, Jörg: Die Renaissance-Decke im Kemladen der Mühlenstraße 17, in: Güstrow. Restauratorische Befunduntersuchung/Erfassung des Vorzustandes/Restaurierung der Decke, Neu Mistorf/Rostock 2005 (= Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege, Archiv: Schwerin-Ordner, Nr. 537)
  • Lack, Derzesches Haus, 2012 — Lack, Peter: Das Derzsche Haus, in: Güstrow. Jahrbuch 2012, Greifswald 2012, S. 41–46
  • Soltwedel, Mühlenstraße 17, 2019 — Soltwedel, Annaliese: Mühlenstraße 17. Vom Haus, den herzoglichen Beamten und bürgerlichen Bewohnern, in: Güstrow. Jahrbuch 2019, Greifswald 2019, S. 128–131
  • online

Einzelnachweise

  1. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mühlenstraße_(Güstrow)&oldid=228341075.
  2. 2,0 2,1 2,2 Gnekow, Deckenmalerei, 2006, S. 55.
  3. Soltwedel, Mühlenstraße 17, 2019, S. 128.
  4. Soltwedel, Mühlenstraße 17, 2019, S. 129.
  5. Lack, Derzsches Haus, 2012, S. 44.
  6. In dem heute verkleinerten Festsaal ist die südöstliche Wandnische schmäler.
  7. Vergleiche hierzu: Schadenskartierung in: Kluth/Schröder, Renaissance-Decke, 2005. Zur Decke insgesamt: Gnekow, Deckenmalerei, 2006, S. 55–58 und Gnekow, Paradies, 2007, S. 55–78.
  8. Die vierte Bahn von Süden ist nicht erhalten, deshalb ohne Darstellung und monochrom gestrichen.
  9. Gnekow, Paradies, 2007, S. 58–62.
  10. Gnekow, Deckenmalerei, 2006, S. 55; Gnekow, Paradies, 2007, S. 59.
  11. Gnekow, Paradies, 2007, S. 62–64, 69–70.
  12. 12,0 12,1 Gnekow, Deckenmalerei, 2006, S. 56.
  13. Gnekow, Deckenmalerei, 2006, S. 56. Präzisere Ausführungen in: Gnekow, Paradies, 2007, S. 70–71.
  14. Genekow, Deckenmalerei, 2006, S. 56; Gnekow, Paradies, 2007, S. 71–73 (Tugenden) und S. 73–76 (Paradies).
  15. Gnekow, Deckenmalerei, 2006, S. 75; Gnekow, Paradies, 2007, S. 55.
  16. Kluth/Schröder, Renaissance-Decke, 2005.
  17. Gnekow, Paradies, 2007, S. 75.